Blauzungenkrankheit

Neues von Wild und Hund!

Die Blauzungenkrankheit (Bluetongue Disease, BT) trat erstmalig im August 2006 im Grenzbereich zu Nordrhein-Westfalen in Holland und Belgien auf. Als Erreger wurde BTV8 (Bluetongue Virus vom Serotyp 8) ermittelt. Wie der Erreger nach Mitteleuropa kam ist noch nicht geklärt.Das Virus wird von Gnitzen (Stechmücken) übertragen, die vom Wind bis 150 Km weit verdriftet werden. Mittlerweile hat sich die Krankheit in ganz Deutschland ausgebreitet. Neben den o.a. genannten Ländern auch in Frankreich, Luxemburg, Großbritannien und Dänemark. Im Bundesgebiet sind amtlich 14 475 Fälle gemeldet, davon 7 632 allein in NRW.

Die Neuinfektionen in 2007 sprechen dafür, dass die hier beheimateten Gnitzen als Überträger geeignet sind.

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Die Krankheit kann grundsätzlich alle Wiederkäuer, also auch Wildtiere befallen. In Zoologischen Gärten wurden Todesfälle bei Wildrindern wie Yaks und Wisent, aber auch bei Exoten wie Alpakas gemeldet. Verluste gab es auch bei einer Wisentherde im ostwestfälischen Hardeshausen und bei Wildwiederkäuern in Gatterhaltung. Für den Menschen ist die Blauzungenkrankheit nicht gefährlich.

Die typischen Symptome der Krankheit, die von erkrankten Schafen bekannt sind, zeigen sich nach dem derzeitigen Kenntnisstand nur beim Muffelwild. Dies sind Ödeme, punktförmige Blutungen am Herzen und Veränderung in der Maulschleimhaut. Bei den anderen Wildwiederkäuern sind die Veränderung nur sehr dezent und nicht sehr typisch für die Blauzungenkrankheit.

Grundsätzlich ist über die Erkrankung bei Wildtieren noch sehr wenig bekannt. Der Wildforschungsstelle stehen nur die allgemeinen Proben und von der Jägerschaft eingesandtes Fallwild als Untersuchungsgrundlage zur Verfügung.

Wird in Jagdrevieren verendetes Wild gefunden und ist in der Nähe Nutzvieh von der Blauzungenkrankheit befallen, wird davon ausgegangen, dass die Wildtiere ebenfalls betroffen sind. Erkennbar kranke Tiere sollten erlegt werden und – ebenso verdächtiges Fallwild – veterinärmedizinisch untersucht werden.

Wichtiges für die Jäger des Landkreises NWM

Auch in diesem Jahr ist zur Überwachung der Blauzungenkrankheit ein Monitoring im Landkreis Nordwestmecklenburg bei den Wildwiederkäuern notwendig. Hierfür sind Blutproben von Rot-, Dam-, Muffel- und Rehwild einzusenden. Hierfür müssen die roten Blutröhrchen (EDTA-Röhrchen) verwendet werden, wobei das Blut möglichst aus der Herzkammer bzw. großen Blutgefäßen zu entnehmen ist (kontaminiertes Blut verfälscht die Diagnostik). Für die Einsendung ist der  Probenbegleitschein oder die erste Durchschrift des Wildursprungsscheines zu verwenden.

Bei weiteren Fragen bitte Frau Ollmann von der UJB unter 03881-722270 anrufen! 

 

Neues von Wild und Hund!  Waldbesucher verursachen Stress bei Rotwild

Einsame Pilzsammler stressen das Wild mehr als lärmende Waldarbeiter mit ihren Maschinen. Das ist das Ergebnis eines gemeinsamen Forschungsprojekts der Deutschen Wildtier Stiftung (DeWist) mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA).

Ein Alttier und ihr Kalb wurden beide von den Wissenschaftlern der FVA mit einem Halsband-Sender ausgerüstet. „Der Fahrer einer großen, lärmenden Holzerntemaschine hat beim Fällen von Bäumen das Muttertier und ihr Kalb immer wieder beobachtet“, sagt Friedrich Burghardt, wissenschaftlicher Betreuer des Projektes. Die Positionsdaten des Halsband-Senders zeigen: Das Alttier blieb in seinem gewohnten Tageseinstand und ließ sich durch den Lärm der großen Maschine nicht stören oder gar vertreiben! Ganz anders jedoch reagierte das Alttier auf einen Projektmitarbeiter, der sich wie ein Pilzsucher durch den Wald bewegte. „Während es die Nähe des extrem lauten Forstfahrzeugs tolerierte, ergriff sie mit ihrem Kalb vor dem Pilzsucher die Flucht und kehrte erst nach über 24 Stunden in ihren Tageseinstand zurück.“

 
„Dies zeigt, wie gut Rotwild die Gefahr durch Menschen einschätzen kann“, erläutert Andreas Kinser, Forst- und Jagdexperte der Deutschen Wildtier Stiftung. „Unkalkulierbare Störungen wie Wanderer, Mountainbike-Fahrer oder Pilzsucher, die die üblichen Wege verlassen, werden von Rotwild als Bedrohung angesehen.“ Diese Störungen führen zu Wildschäden im Wald. Denn das Wild hat bei der Flucht einen erhöhten Energiebedarf, den es aus Angst nicht im Offenland, sondern im Wald an jungen Bäumen deckt. Die Deutsche Wildtier Stiftung bittet deshalb alle Waldbesucher, auf den Wegen zu bleiben. Pilzsucher müssen gar nicht erst versuchen, still und leise durch den Wald zu schleichen. „Das Wild nimmt sie längst wahr, bevor der Mensch das Tier gesehen hat. Verhält sich der Pilzsammler normal laut, kann das Wild die Störung orten und sich eher darauf einstellen“, empfiehlt Kinser.
 
Was die besenderten Hirsche uns sonst noch verraten, hat Wildbiologe Dr. Daniel Hoffmann für WILD UND HUND zusammengetragen. Lesen Sie den Bericht „Telemetrieprojekte in Deutschland – Was Hirsche senden“ in der Ausgabe 18/2010.